Nr. 16/2019 vom 18.04.2019

Unter Brüdern

Zwei alte Kräfte am Stammtisch: Bei «Roger gegen Markus» auf Radio 1 streitet Schawinski mit Dauergast Markus Somm. Wir haben mitgehört.

Bearbeitung: Florian Keller

Am 1.  April war es bei «Roger gegen Markus» zum Eklat gekommen. Entnervt von seinem Talkgast Markus Somm, brach Roger Schawinski die Sendung ab. Zwei Wochen später hatten sich die beiden wieder richtig lieb. Am 15.  April sprachen sie unter anderem über den «alten weissen Mann» als Feindbild. Gemeinsam traten sie an, um die These vom «Schulterschluss» alter weisser Männer zu widerlegen. Ist es ihnen gelungen? Entscheiden Sie selbst. (Die Abschrift wurde der Lesbarkeit halber leicht bearbeitet und gekürzt.)

Roger: Der Begriff «alte weisse Männer» ist jetzt vor allem im Zusammenhang mit einer Fernsehsendung von letzter Woche in der Schweiz gross herausgekommen, ein neuer Kampfbegriff. Was meinst du dazu, Markus?

Markus: Ja gut, ich bin ja noch nicht so alt wie du. (Gelächter.) Aber ich bin ja offensichtlich auch ein weisser alter Mann.

Roger: Wie alt bist du?

Markus: (Kichert.) 54. Sehr alt. Aus Sicht meiner Kinder sehr alt.

Roger: Simone Meier bei «Watson», die die ganze These aufgebracht hat, sagte, es ist ein Old-Boys-Network, das in dieser Sache um die Absetzung dieser Salomé Balthus in meiner Fernsehsendung gewirkt hat: der Roger Schawinski, 73, Ulf Poschardt, 53, und der Michalsky, 50. Das sind drei alte Männer. Übrigens: Simone Meier, einfach nur zum …

Markus: … ist auch eine alte weisse Frau.

Roger: 49! Aber das ist eben anders. Sie ist eben eine Frau und passt nicht in diese Kategorie. Der Begriff «alte weisse Männer» kommt ja aus Amerika. In der Schweiz gibts ja zwar diese Genderdiskussion, aber die Rassendiskussion, die es in Amerika gibt, gibt es nicht. Warum muss man in der Schweiz «alte weisse Männer» sagen, irgendwie denkt man überhaupt nicht nach. Weil, es gibt gar keine schwarzen alten Männer in der Schweiz. Vor allem nicht in Machtpositionen.

Markus: Das ist das eine. Zweitens finde ichs immer herzig, wenn Leute, die sich als Linke bezeichnen, plötzlich zu Rassisten werden. Ich meine, wieso ist jetzt ein weisser Mann weniger gut als ein schwarzer Mann? Was soll der Seich? (…)

Roger: Identität ist stärker als Fakten. Wenn du einer Gruppe angehörst wie jetzt eben der alten weissen Männer, die offenbar alle Privilegien haben, hast du keine Rechte mehr. Und du kannst dich bei gewissen Diskussionen gar nicht mehr einbringen, weil du wegen deiner Identität, wegen deinen Privilegien, wie es heisst, gar nichts mehr zu husten hast. (…) Ich finde das wirklich eine illiberale Haltung, die in Amerika zum Teil sehr stark ist. Und wenn das jetzt in die Schweiz kommt, wenn die Fakten ausgeblendet werden, wenn man einfach sagt, wenn du einer Gruppe angehörst, «du musst weg», wie das jetzt zum Beispiel letzte Woche in meinem Fall gefordert wurde. Dann Gutnacht. (…)

Markus: Dass die Leute das nachher noch unterstützen und dann eine so grusige, grusige Kampagne gegen dich als sogenannt angeblich weissen alten Mann fahren, und zwar alles Leute, die als Journalisten offensichtlich nicht so erfolgreich sind wie du. Zum Beispiel diese Simone Meier, ja, hat jetzt die so viel gemacht in den Schweizer Medien wie der Roger Schawinski? Glaube nicht! Auch wenn sie noch dreissig Jahre älter wird und dann eine alte alte weisse Frau ist, sie wird nie das Gleiche erreicht haben wie du. Meritokratie ist eine der wichtigsten Errungenschaften des Westens, und das unterminieren wir absolut mit dem Seich. Das ist ganz, ganz gefährlich. Die Meritokratie ist vor allem gut, nicht für die weissen alten Männer, die oben sind, für die nicht, sondern gerade für die Aufsteiger wäre die Meritokratie sehr wichtig, aber so wird sie unterminiert. (…) Solange sie sich so aufregen über dich, solange du so ein Thema bist, solange du so zu reden gibst, ist immer gut. Du musst dich an Donald Trump halten. Es spielt keine Rolle, was sie an Negativem über dich sagen, Hauptsache, sie reden über dich. Ich finde, das ist unfair, wie man dich angegriffen hat. Es ist jenseits. Ich finds auch peinlich, wie man probiert zu sagen, der ist eigentlich vorbei, der sollte jetzt aufhören, obwohl du nach wie vor eine der besten Sendungen machst bei der SRG. (…)

Roger: Danke. Du redest wie mein Psychiater oder Psychologe, den ich nicht habe, aber vielleicht nötig habe im Moment. (Gelächter.)

Markus: Hey, dass du noch so ein Thema bist, ich meine, welcher 74-jährige Journalist …

Roger: 73!

Markus: … ist noch ein Thema. 73, Tschuldigung.

«Roger gegen Markus» läuft immer montags um 18.05 Uhr auf Radio 1.

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