Nr. 19/2019 vom 09.05.2019

Fremdkörper im Speckgürtel

Von Stephan Pörtner

Ausflüge in Ortschaften des sogenannten Speckgürtels, der die Grossstadt umgibt, erweisen sich stets als kurzweilig und lehrreich. Nebst den in der Bahnhofsunterführung angepriesenen Immobilien, die jenen der Stadt in Sachen Unerschwinglichkeit in fast nichts nachstehen, erfreut eine konsequent Funktionskleidung tragende, zu keiner Erwerbstätigkeit herangezogene Tagesbevölkerung die Besuchenden, sei es mit herzhaftem Fluchen oder mit misstrauischem Mustern, liegt doch das Wahrnehmen von Fremdkörpern allen hier im Blut. Des Weiteren locken Besichtigungen drittrangiger und entsprechend vernachlässigter Sehenswürdigkeiten, die mit ein wenig Planung in ausgedehnte Begehungen krisenresistenter Industriegebiete münden. Nur schon darum ist diese Form des Kurzurlaubs der Städtereise in jeder Hinsicht überlegen.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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